SELBSTPORTRÄTS

FREMDE JAHRESZEITEN

Die großen Bilder hier sind deutlicher mit der Künstlerin selbst verknüpft. Wir erkennen die Bilder als Portraits, überall taucht sie selbst auf - aber eben wieder in ganz eigenartigen metaphorischen Zuständen.


Es sind Bilder ihrer Verbundenheit mit dem Magischen, mit dem menschlichen Urbedürfnis, die eigene Existenz zu ergründen. Wir hier in der westlichen Zivilisation haben uns ziemlich abgewöhnt solcherlei Erfahrungen zu suchen, vielleicht ist der Rausch, das Koma Saufen, der Drogenkonsum ein Signal dessen, dass man auch mit den Angeboten unserer „normalen" Kultur diese Bedürfnisse nur schwerlich erfüllen kann, aber wenn ich das richtig sehe, sind solche Erfahrungen eher nicht mit unserer kulturellen Alltäglichkeit zu vereinbaren.


„Wie ist das, wenn man mit solchen Ideen, solchen Erfahrungen und Praktiken nun in der Bundesrepublik, dazu in Bremen lebt, ist da überhaupt noch etwas von dieser Nähe zu sich selbst, zu der eigenen Natur möglich?" fragte ich sie.

„Man kann nie von Zuhause weggehen" sagt Collao. In den zwei Jahren in denen Cristina nun in Deutschland lebt, ist sie von einem tiefen Chaos, einer Situation des Ungreifbaren zu einem Zustand gekommen, in dem sie die Lebendigkeit hier für sich erobern kann. Auch wenn sie immer noch nicht hier mit der Seele angekommen sei, sagt sie, wachsen ihre Wurzeln langsam in den Boden und je tiefer sie wachsen umso mehr kann sie sich hier wieder finden.

Das weiße Bild, welches Sie ganz dort hinten finden, ist ein Ausdruck dessen, wie sie sich zur Zeit am ehesten selbst erfährt.


Und wenn die Künstlerin solche Arbeiten aus den verschiedensten Bildelementen am Computer generiert, dann ist auch diese Arbeit - in der Distanz des Mediums - eine Suche nach einer Möglichkeit von Nähe. Es ist der Versuch die „fremden Jahreszeiten", das unbekannte Klima in die eigene Realität zu transferieren. Collao tut dies mit der ihr eigenen „ja, barocken, verschwenderischen" Üppigkeit der Formen und Bilder, die uns ans Karge gewohnte Deutsche durchaus ins Schwelgen bringen können und uns Mut machen die Dinge andersartiger zu sehen als mit unserer anerzogenen Kulturbrille.


Deswegen sind wir für diese bildnerischen und damit auch lebendigen Impuls dankbar.


Tilman Rothermel


25.04.2014, Bremen, Deutschland.

arte@cristinacollao.de